Burg Scharfenstein

K 235, Leinefelde-Worbis

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Die Burg Scharfenstein ist eine hochmittelalterliche Burg im Eichsfeld, die im Jahr 1209 erstmals urkundlich erwähnt wurde. == Lage == Die Spornburg liegt südwestlich der Stadt Leinefelde, am Rande des Naturparks Eichsfeld-Hainich und oberhalb des Dorfes Beuren. Sie befindet sich auf einem kleinen, nach Osten heraustretenden Sporn, dem Schloßberg (480 m) am Nordrand des Düns im Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Verkehrsmäßig zu erreichen ist die Burg über die Straße zwischen Beuren und Kreuzebra. Verschiedene Wanderwege über den Dün und vom Haltepunkt Beuren der Bahnstrecke Halle–Hann.

Kategorie des Ortes
Schloss
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K 235, Leinefelde-Worbis

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Beschreibung

Die Burg Scharfenstein ist eine hochmittelalterliche Burg im Eichsfeld, die im Jahr 1209 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Lage

Die Spornburg liegt südwestlich der Stadt Leinefelde, am Rande des Naturparks Eichsfeld-Hainich und oberhalb des Dorfes Beuren. Sie befindet sich auf einem kleinen, nach Osten heraustretenden Sporn, dem Schloßberg (480 m) am Nordrand des Düns im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Verkehrsmäßig zu erreichen ist die Burg über die Straße zwischen Beuren und Kreuzebra. Verschiedene Wanderwege über den Dün und vom Haltepunkt Beuren der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden führen zur Burg.

Geschichte

Die ersten Jahrhunderte

Es wird davon ausgegangen, dass die Burg Scharfenstein in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet worden sein muss. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg fand im Jahr 1209 statt, doch schon im Jahr 1161 wurde ein Godehard von Scharfenstein erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Burg ausgebaut. Sie war im Besitz der Grafen von Gleichenstein, welche wahrscheinlich die Erbauer der Burg waren. Die Thüringer Landgrafen machten Lehnsansprüche geltend, sodass Landgraf Ludwig IV. von Thüringen, der sich in einer Fehde mit dem Mainzer Bischof Siegfried II. von Eppstein befand, die Burg 1219 erobern und zerstören ließ. Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Burg Scharfenstein vom Adelsgeschlecht von Gleichen mit neuer, erweiterter Ringmauer wieder aufgebaut. 1287 wurde die Burg in einer Urkunde „Castrum Scharphenstein“ genannt, als der Burgbesitz an den Erzbischof Heinrich II. vom Thüringer Landgrafen verpachtet wurde. Im Jahr 1294 wurde sie wegen hoher Verschuldung von Grafen Heinrich von Gleichenstein mitsamt den Burgen Birkenstein (in der Nähe von Birkungen) und Gleichenstein (in der Nähe von Wachstedt) an den Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein verkauft. Mit diesem Burgenverkauf ging der Verkauf des Eichsfeldes einher, welches bis 1802 im Mainzer Besitztum blieb. Im 14. Jahrhundert wurde Burg Scharfenstein als Pfandamt ausgebaut, zu welchem 14 Dörfer, zwei Klöster und mehrere Mühlen gehörten. Im 15. und 16. Jahrhundert gehörte das Pfandamt den Herren von Wintzingerode. Durch einen Blitz getroffen, brannte die Burg 1431 fast vollständig nieder. Doch die Herren von Wintzingerode bauten sie wieder auf.

Anfang des 13. Jahrhunderts wurden die adligen von Scharfenstein erwähnt, sie waren vermutlich von den Besitzern der Burg, den Grafen von Gleichen, eingesetzte Burgmänner. Folgende Vertreter sind in Urkunden erwähnt:

  • 1161, 1186 Godehardus von Scharfenstein (ob der in einer Urkunde des Naumburger Bischofs Udo genannt Godehardus der hiesigen Burg zugeordnet kann, ist nicht sicher belegt)
  • 1209 Dietrich Böhme von Scharfenstein (in zwei Urkunden des Mainzer Erzbischofs Gerhard ausgestellt auf dem Rusteberg)
  • 1221 Brüder von Scharfenstein (in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Siegfried II. für das Kloster Beuren)

Seit der Zeit des Bauernkrieges

Der ehemalige Reifensteiner Zisterziensermönch Heinrich Pfeiffer floh im Jahr 1521 auf den Scharfenstein, wo er bis 1523 in den umliegenden Ortschaften, auf dem Scharfenstein und unter der „Burglinde“ die lutherische Lehre predigte. Pfeiffer musste die Burg verlassen und ging anschließend nach Mühlhausen, wo er auf Thomas Müntzer traf. Im Mai 1525 vereinigte sich der Mühlhäuser mit dem Eichsfelder Bauernhaufen. Diese zogen unter der Führung Pfeiffers und Müntzers durch das Eichsfeld und brandschatzen die Burgen und Klöster in dem Gebiet, so auch das Kloster Reifenstein und auf Befehl Pfeiffers die Burg Scharfenstein. Schon sieben Jahre später wurde die Burg von Friedrich von Wintzingerode wieder aufgebaut. In der Zeit der sogenannten Gegenreformation wurde die Pfandschaft des Amtes Scharfenstein vom Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg eingelöst. Unter den lutherischen Herren von Wintzingerode hatte die Reformation im Amt Scharfenstein Einzug gehalten. Es folgte nach der Einlösung der Pfandschaft die vom Heiligenstädter Jesuitenkolleg ausgehende Gegenreformation. Hiervon zeugt noch die Jahreszahl 1587 und die Mainzer Räder am Burgtor. In der Folgezeit diente die Burg als Gefängnis, verlor nach und nach an Bedeutung und wurde nur noch für Verwaltungszwecke benutzt. 1802 wurde das Eichsfeld und somit auch die Burg Scharfenstein preußisch. Ab 1814 war sie Vorwerk der Domäne Reifenstein. Der baufällig gewordene Bergfried wurde im Jahr 1864 abgetragen. 1909 brannte die Burg durch einen erneuten Blitzschlag aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Burg ins Volkseigentum über und wurde ab 1960 als Schulungszentrum und Kinderferienlager genutzt.

Nach der DDR-Zeit

Seit 1990 wurde Burg Scharfenstein von der Treuhand verwaltet und ist seit 2002 im Besitz der Stadt Leinefelde-Worbis. Seit 2006 wird die Burg restauriert. Der Scharfenstein war als möglicher Ort des Papstbesuches im Eichsfeld im September 2011 angedacht. Im Zuge dessen fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten ab 2008 an der Kernburg statt. Der Papstbesuch wurde jedoch beim Wallfahrtsort Etzelsbach veranstaltet. Auf dem ehemaligen Scheunenstandort der Burg befindet sich seit 2011 ein Café und eine Außenterrasse, von der bei guter Sicht bis zum Harz und dem Brocken geschaut werden kann. Am 5. Juli 2012 wurde der Stadt Leinefelde-Worbis für die Sanierung der Burg Scharfenstein der Thüringer Denkmalschutzpreis verliehen. 2014 wurden im Keller des Westflügels der Kernburg die untersten zwei Meter des nach 1525 abgetragenen Bergfrieds aus der Zeit um 1200 entdeckt und teilweise freigelegt.

Vor dem Burgtor steht eine etwa 550 Jahre alte Linde mit einem Umfang von 7,90 m.

Amt Scharfenstein

Burg und Amt Scharfenstein mit 14 Dörfern, zwei Klöstern und zahlreichen heute nicht mehr existierenden Orten kamen 1294 zu Kurmainz. Weit östlich der Burg gelegene Orte, wie Vollenborn wurden später vom Amt abgetrennt. Der Kurfürst belehnte die Herren von Wintzingerode mit Burg und Amt. 1587 wurde die Mainzer Erzbischöfe wieder alleinige Besitzer der Burg und setzen Beamte als Amtsvögte ein. Die Behörde setzte sich mehrheitlich aus folgenden Personen zusammen: dem Amtsvogt, dem Amtsrichter, dem Amtsaktuar, dem Amtsschreiber und dem Amtspedell. Das Amt war auch Gerichtsbezirk und auf der Burg existierte ein Gefängnis. 1802 übernahm Preußen das Amt und führten es als Domäne weiter.

Burgherren

Nachfolgend eine Auflistung nachgewiesener Burgherren, zeitweise waren Burgherren aus verschiedenen Adelsfamilien gleichzeitig eingesetzt:

  • 1209 Dietrich Böhme von Scharfenstein
  • 1290 Ritter Hugo von Marchia
  • 1294 Otto und Friedrich von Scharfenstein
  • 1300, 1309 Otto von Worbis
  • 1300 Ludwig von Kindehausen
  • 1338 Tile von Bodungen, Tile Knorr dem jüngsten und Bertolde von Werter
  • 1341 Apel von Westhausen
  • 1361 Tile von Bodungen, Heinrich von Bodenstein und Heinrich von Knorr
  • 1373 Wedekind von Geisleden
  • 1381 Hans von Knorr
  • 1387 Hans von Bodungen mit Otto, Hermann, Friedrich von Worbis und denen von Wintzingerode
  • 1388 Eckard und Thilo von Bodenstein, Gebrüder
  • 1415 Johann von Wintzingerode
  • 1438 Heinrich der Ältere und Heinrich der Jüngere von Wintzingerode
  • 1440 Berld und Siegried von Wildungen
  • 1469 Friedrich von Linsingen
  • 1479 Engelhard, Georg und Burchard von Entzenberg
  • Hans und Hermann von Wintzingerode erwerben Anteile der Burg
  • 1521 Hans von Entzenberg ist Mitinhaber
  • 1525, 1532 Friedrich von Wintzingerode
  • 1556 Hans und Bertram von Wintzingerode

Amtsvögte

Folgende Amtsvögte sind bekannt:

  • 1549 Antonius Groß
  • 1584–1618 Klaus Wagner
  • 1606?-1627 Vinzenz Schott
  • 1627–1656 Johannes Schott
  • 1656–1665 Johann Jodocus Helmsdorf
  • 1665–1672 Johann Weinrich Helmsdorf
  • 1672–1701 Johann Christoph Schott (gest. 1701)
  • 1701–1732 Johann Christoph Schott (gest. nach 1732)
  • 1732–1754 Adrian Jodocus Schott
  • 1754–1756 Anton Philipp Wincopp
  • 1757–1764 Urban Ignaz Bodmann
  • 1764–1767 Georg Philipp Teitzel
  • 1757–1775 Berthold Philipp Bodmann
  • 1776–1790 Karl Förster
  • 1790–1802 Urban Jünemann

Bildergalerie

Aussicht

Von der Burg Scharfenstein hat man eine weite Aussicht nach Norden und Osten in das obere Leinetal, den Eichsfelder Kessel, das Ohmgebirge und den östlichen Dün, sowie bei guter Sicht vom Oberharz mit dem Brocken bis zum Unterharz hinter der Eichsfelder Pforte.

Literatur

  • Josef Reinhold, Günther Henkel: Die Burg Scharfenstein im Eichsfeld in Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Stadt Leinefelde-Worbis. Mecke-Druck, Duderstadt (Eichsfeld) 2009, ISBN 978-3-86944-010-1. 
  • Rudolf Lucas, Heinz Herzberg, Wolfgang Trappe: Burg Scharfenstein im Eichsfeld. Aus der Geschichte der Burg. Mecke-Druck, Duderstadt (Eichsfeld) 2009. 
  • Helmut Godehardt: Landsteuerzahler aus den Dörfern des kurmainzischen Amtes Scharfenstein und des Gerichts von Westernhagen im Jahre 1548. In: EJb 14 (2006), S. 133-140
  • Josef Reinhold, Günther Henkel (Hrsg.): 800 Jahre Burg Scharfenstein 1209-2009. Beiträge zur Geschichte von Burg und Amt Scharfenstein im Eichsfeld. Duderstadt 2009, 304 Seiten, zahlreiche Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen, ISBN 978-3-936617-89-4

Einzelnachweise

Weblinks

  • Webseite: http://www.burgscharfenstein-eichsfeld.de

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