Schloss Lieser

Moselstraße, Lieser

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Schloss Lieser ist ein im Stil des Historismus erbautes Schloss im gleichnamigen Weindorf Lieser an der Mosel nahe Bernkastel-Kues, auf der gegenüberliegenden Uferseite von Mülheim. Es ist neben der Pfarrkirche St. Peter das markanteste Gebäude im Ort und steht seit 1981 unter Denkmalschutz. == Geschichte == Der Baukörper entstand von 1884 bis 1887 an der Stelle des 1710 gebauten Hofhauses eines Kirchenguts oder eines ehemaligen kurtrierischen Hofes. Entwurf und Planung stammen von dem Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt, der auch die Bauaufsicht hatte.

Kategorie des Ortes
Schloss
Adresse
Moselstraße, Lieser

Beschreibung

Schloss Lieser ist ein im Stil des Historismus erbautes Schloss im gleichnamigen Weindorf Lieser an der Mosel nahe Bernkastel-Kues, auf der gegenüberliegenden Uferseite von Mülheim. Es ist neben der Pfarrkirche St. Peter das markanteste Gebäude im Ort und steht seit 1981 unter Denkmalschutz.

Geschichte

Der Baukörper entstand von 1884 bis 1887 an der Stelle des 1710 gebauten Hofhauses eines Kirchenguts oder eines ehemaligen kurtrierischen Hofes. Entwurf und Planung stammen von dem Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt, der auch die Bauaufsicht hatte.

Schloss Lieser war der Familiensitz des Industriellen Eduard Puricelli (1826–1893), der im Gasgeschäft tätig, Miteigentümer einer Hüttengesellschaft war und Niederlassungen in Trier und in Rheinböllen hatte. Eduard Puricelli war für die Konservative Partei politisch aktiv und wurde 1867 für die Rheinprovinz in den Deutschen Reichstag gewählt. Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg stimmte er, wohl vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, für den Anschluss von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich.

Puricellis beide Söhne verstarben früh, seine Tochter Maria heiratete 1880 den hohen preußischen Beamten Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser. Von ihm stammt auch der Name des Schlosses, das Maria 1895 erbte. Nach Schorlemers Wechsel nach Koblenz 1905 ließen sie es umfangreich umbauen und erweitern. So gliedert sich das Gebäude heute in zwei Teile: Der ältere, von der Mosel aus gesehen rechte Teil im Neorenaissance-Stil und der jüngere, etwas kleinere im Jugendstil. Der für den Um- und Erweiterungsbau verantwortliche, heute nicht mehr zu bestimmende Architekt hat durch die Wahl des Baumaterials sehr auf ein einheitliches Erscheinungsbild geachtet. Nur an stilistischen Details können die unterschiedlichen Bauepochen ausgemacht werden.

Kaiser Wilhelm II. schätzte Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser sehr und war 1906, 1911 und 1913 zu Besuch auf Schloss Lieser. Auch Kronprinz Wilhelm und Prinz Oskar waren dort mehrmals Gäste.

1981 kaufte die Gemeinde Lieser das Anwesen für 600.000 Deutsche Mark von der Familie Schorlemer-Lieser. Letzte Bewohnerin war die Witwe Freifrau von Schorlemer-Lieser, Marliese Rheinen. Anschließend stand das Gebäude über zehn Jahre leer, wurde aber einmal jährlich für das zu Pfingsten stattfindende Schlossfest genutzt. Im Februar 2001 kaufte ein aus Bad Salzuflen stammender Investor für zwei Millionen Euro das Haus. Seit 2007 gehört es der Familie Killaars, die außer dem Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro weitere 12 Millionen Euro zur Bestandssicherung und für den Umbau in ein Schlosshotel investiert. Für die dazugehörige Tiefgarage musste einer der wohl größten Mammutbäume der Umgebung fallen. Die Hoteleröffnung ist für Dezember 2016 geplant.

Aufbau

Das Gebäude befindet sich zwischen der Uferstraße und dem im Rücken liegenden Lieserer Schlossberg und erstreckt sich nahezu in Ost-West-Richtung. Alle Räume in den verschiedenen Stockwerken haben Zugang über den zentralen Flur, ein typisches Merkmal englischer Landhäuser. Das Erdgeschoss wurde in rötlichem Sandstein erbaut, die darüber liegenden Stockwerke mit regionaltypischem Schieferstein gemauert. Die Fenstereinfassungen der oberen Stockwerke sind aus Udelfanger Sandstein, sämtliche Säulen des Schlosses sind mit Burgpreppacher Sandstein erbaut worden. Auch das Dach hat eine Schiefereindeckung, dessen Material aus dem Cauber Erbstollen stammt.

Um mögliche Hochwasserschäden der damals noch nicht kanalisierten Mosel zu verringern, befanden sich zur Erbauungszeit im Erdgeschoss nur Wirtschafts- und Lagerräume, wo beispielsweise der Wein in Flaschen abgefüllt wurde; diese waren architektonisch entsprechend zurückhaltend gestaltet. Anders die oberen Stockwerke, die überaus reichhaltig gestaltet waren. Verschiedene Stilmittel wie beispielsweise Kachelöfen, Bleiverglasungen und Türbeschläge sind nach wie vor erhalten und sollen auch nach dem geplanten Umbau ihre Funktion behalten. Das Schloss verfügte seit 1901 über ein eigenes Elektrizitätswerk.

Erster Stock

Das erste Stockwerk stellt die Beletage des Hauses mit vielen unterschiedlich großen Sälen dar und war für repräsentative Zwecke vorgesehen. Entsprechend aufwändig sind die Gestaltungselemente. Zentraler Raum ist der achteckige Festsaal, der einen unmittelbaren Zugang vom mittleren Treppenhaus hat. Er besitzt eine Holzvertäfelung, Bildhauerarbeiten sowie ein Deckengemälde, auch die anderen Räume sind mit Holz vertäfelt. Im zentralen Treppenhaus befinden sich großflächige Wandmalereien des Frankfurter Malers C. Grätz, auf denen viele bekannte Baudenkmäler an der Mosel dargestellt sind. Außerdem wurde im Osten die 19 m² große Kapelle eingerichtet, deren Fußbodenfliesen nach Plänen des Architekten vom Mettlacher Keramikhersteller Villeroy & Boch angefertigt wurden. Auch befanden sich hier zahlreiche Gästezimmer, ein Billardraum sowie eine Küche.

Zahlreiche Einzelelemente sind erwähnenswert. So stammt beispielsweise eine überlebensgroße Madonna-Figur an einer Ecke nahe der Schlosskapelle im Osten des Gebäudekomplexes von dem Bildhauer Peter Fuchs (1829–1898), der lange Zeit an der Dombauhütte des Kölner Doms arbeitete. Ähnlich bedeutend sind die Bilder an der Hauptfassade, die das Leben von Industrie und Landwirtschaft idealisieren.

Zweiter Stock

Der zweite Stock war der Familie des Schlossbesitzers vorbehalten. Hier war das Wohnzimmer mit einem großen Marmortisch und Marmorkamin, die Schlafzimmer, weitere private Gästezimmer sowie die Zimmer für die Hausangestellten. Die Kupferplatte des Kamins ist ein Kunstwerk von Hubert Salentin aus Düsseldorf.

Planungen

Bei der Umwandlung in ein Hotel ist geplant, im ersten Geschoss neben dem Foyer die Rezeption, im Mittelteil und im linken Gebäudedrittel eine Bibliothek, einen Frühstücksraum und weitere Räume für das Restaurant sowie als Anbau, angrenzend zum Park, die Küche einzurichten. Im gesamten Haus sollen Gästezimmer untergebracht werden. Bedingt durch die Vielgliedrigkeit des Bauwerkes liegt die Zimmergröße zwischen 30 m² und knapp 100 m².

Weingut Schloss Lieser

Während der Zeit Schorlemers war dem Schloss eine Kelteranlage für die hauseigenen Weine angegliedert. In den 1970er Jahren wurden die 8,5 Hektar großen Weinberge mehrfach verkauft, der Name hat in dieser Zeit Schaden genommen, wurde jedoch weiter geführt. Zu dem Weingut gehören die zum Teil bekannten Einzellagen Juffer und Juffer Sonnenuhr (Brauneberg), Himmelreich (Graach), sowie Niederberg-Helden und Schlossberg (Lieser), die ausschließlich mit Riesling bestockt sind. Eine Spezialität des Hauses sind süße Prädikatsweine.

Trivia

Das Schloss mit dem Schlossgarten war eine der Kulissen des Films Moselfahrt aus Liebeskummer aus dem Jahre 1953.

Literatur

  • Michael Losse: Familienwohnhaus Puricelli – Das Schloss Lieser an der Mosel. In: Burgen und Schlösser, Jahrgang 34, Nr. 2, 1993, ISSN 0007-6201, S. 99–106 (Auszug).
  • Michael Losse: Lieser an der Mosel. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1993, ISBN 3-88094-740-6, S. 12–19 (Rheinische Kunststätten, Heft 384).
  • Franz Schmitt: Chronik Weindorf Lieser. Paulinus Druckerei, Trier 1988, S. 456–490.
  • Heinrich Theodor Schmitt: Familienhaus des Herrn Eduard Puricelli zu Lieser a. d. Mosel. In: Deutsche Bauzeitung. Jahrgang 23, Nr. 36, 1889, S. 209–210 (PDF; 122,3 MB).

Weblinks

  • Website Schloss Lieser
  • Landesschau SWR3, 10. Mai 2009

Einzelnachweise

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