Lambertikirche

Altstadt, Münster

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St. Lamberti ist eine Kirche im Stadtkern von Münster (Westfalen). Sie wurde ab 1375 als Markt- und Bürgerkirche, durch Kaufleute der Stadt finanziert, erbaut und bildet den nördlichen Abschluss des Prinzipalmarktes. St. Lamberti ist der bedeutendste sakrale Bau der westfälischen Spätgotik.

Kategorie des Ortes
Kirche
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Altstadt, Münster

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Beschreibung

St. Lamberti ist eine Kirche im Stadtkern von Münster (Westfalen). Sie wurde ab 1375 als Markt- und Bürgerkirche, durch Kaufleute der Stadt finanziert, erbaut und bildet den nördlichen Abschluss des Prinzipalmarktes. St. Lamberti ist der bedeutendste sakrale Bau der westfälischen Spätgotik. Namensgeber ist der heilige Lambert von Lüttich.

Eine Besonderheit der Kirche sind drei am Turm befestigte Eisenkörbe. In ihnen wurden 1536 die Leichname der drei hingerichteten Anführer des Täuferreichs von Münster Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling zur Schau gestellt, nachdem sie auf dem Platz vor der Kirche öffentlich gefoltert und getötet worden waren.

Von 21 Uhr bis Mitternacht (außer Dienstags) bläst halbstündlich eine Türmerin – seit 2014 Martje Saljé – zur vollen und halben Stunde ein Horn. Das Amt besteht seit 1379.

Lage

Die Lambertikirche steht am Kreuzungspunkt alter Straßen im Stadtkern Münsters: Sie markiert das nördliche Ende des Prinzipalmarkts, weiter schließt sich nahtlos der Roggenmarkt an. In direkter Nachbarschaft der Kirche befand sich, inmitten des Roggenmarktes, bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Häuseransammlung des Drubbels. Nach Osten liegen der Alte Fischmarkt und die Salzstraße.

Zwischen der Kirche und der Salzstraße liegt der Lambertikirchplatz mit dem Lambertibrunnen.

Geschichte

Vorgängerbauten

Um 1000 befand sich unweit des damaligen (ersten) münsteraner Paulusdomes in der Kaufmannssiedlung vor der Domburg eine Holzkirche. Kurz vor 1100 entstand eine Steinkirche, die wohl 1125 zerstört wurde, und um 1150 eine einschiffige gewölbte romanische Kirche. Um 1170 erhielt Münster das Stadtrecht. 1189 erfolgte die Aufteilung der Pfarrei der bestehenden Stadt- und Marktkirche, indem von ihr St. Ludgeri, St. Aegidi und vielleicht auch schon St. Martini abgeteilt wurden. Im Jahr 1270 wurde eine gotische dreischiffige Hallenkirche errichtet. Von den beiden steinernen Vorgängerbauten aus romanischer Zeit blieb bis ins 19. Jahrhundert der Westturm erhalten. Zunächst nur 17 m hoch und mit einfachen Klangarkaden ausgestattet, wurde er um 1150 um zwei gegliederte Geschosse auf 21 m erhöht. Mit dem Hallenkirchenneubau ab 1270 verband sich eine weitere Turmerhöhung, nun schon auf 40 m, deren Außenflächen eine klare architektonische Gliederung erhielten. In diesem Geschoss fand sich ein jüdischer Grabstein von 1302 vermauert, der während des Pogroms von 1350 abgeräumt worden war.

Heutige Kirche

Der Errichtung des heutigen Kirchengebäudes erfolgte über den Zeitraum von 1375 bis 1525. Baumaterial war der in den benachbarten Baumbergen anstehende Baumberger Sandstein. Der jetzige Bau wurde nach Grundsteinlegung im Jahre 1375 mit dem 1422 fertiggestellten Chorbau begonnen, bis 1448 folgte die südliche Chorkapelle als ein achteckiger Zentralbau mit eigenem Portal. Das Hallenlanghaus entstand in mehreren Ausbaustufen ab 1450. Von den drei spätgotischen Portalen ist das hohe Südwestportal mit seiner Reliefdarstellung der Wurzel Jesse das aufwendigste (Original im Bode-Museum Berlin). Der großzügig angelegte Kirchenraum von klarer Raumwirkung wurde erst 1525 zusammen mit dem Chorraum mit spätgotischen Netz- und Sterngewölben eingewölbt. Zunächst war vorgesehen gewesen, zusammen mit dem spätgotischen Kirchenneubau anstelle des mehrfach erhöhten Westturms einen der neuen Kirche angemessenen Turmbau zu errichten, aus Kostengründen kam dies jedoch nicht mehr zustande. Der Turm erhielt stattdessen um 1500 ein weiteres Glockengeschoss, das den Turm nun auf 50 m Mauerhöhe brachte, sowie seinen charakteristischen Spitzkuppelabschluss, der bis ins 19. Jahrhundert bestand hatte.

St. Lamberti gilt nach der Wiesenkirche in Soest als Höhepunkt in der Entwicklung der westfälischen Hallenkirche in der Spätgotik. Ein entscheidender Einfluss ging dabei von der konservativen Bauhütte des Kölner Doms unter Michael von Savoyen aus, wobei die hochgotische Formensprache im Maßwerk mit den modernen spätgotischen Fischblasenfigurationen aus der Bauhütte Peter Parlers am Prager Veitsdom kombiniert wurde.

Während der Täuferunruhen war vor allem die liturgische Ausstattung der Lambertikirche vernichtet worden und wurde in den folgenden Jahren erneuert. 1550 wurde die Neuerrichtung eines (nicht erhaltenen) Sakramentshauses an Johann Brabender in Auftrag gegeben, der zuvor bereits die Kreuzigungsgruppe am Nordwestpfeiler des Turms ausgeführt hatte. Die eigentliche Neuausstattung der Kirche im Sinne der Gegenreformation erfolgte jedoch erst unter dem Münsteraner Weihbischof und Pfarrer an St. Lamberti Nikolaus Arresdorf, der während seiner Amtszeit als Weihbischof bischöfliche Amtshandlungen bevorzugt in der Lambertikirche ausübte. Zwischen 1602 und 1609 entstand der Zyklus der Chorfiguren durch den Münsteraner Bildhauer Johann Kroeß. Wie im Chor des Kölner Domes kam eine Folge der Zwölf Apostel zur Darstellung, im Zentrum standen die (zerstörten) Statuen von Maria und Christus. Der Oktogonraum der südlichen Chorkapelle erhielt die Statuen der Vier Kirchenväter. 1603 gab Arresdorf das Mittelfenster des Chores mit einer Kreuzigungsdarstellung in Auftrag. 1613 errichtete Gerhard Gröninger einen neuen Hauptaltar. Von den Statuen an den Strebepfeilern am Außenbau der Kirche (darunter die beiden Kaiser Karl der Große und Heinrich II.) hat sich nichts erhalten.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich durch Baumängel an den Fundamenten und die zwischenzeitliche Erhöhung auf das Dreifache der ursprünglichen Höhe der alte Turm nach Westen geneigt und drohte einzustürzen. Denkmalpflegebemühungen zu seiner Rettung scheitern infolge des einsetzenden Kulturkampfes zwischen der katholischen Kirche und dem preußischen Staat. Mit dem Teilabbruch und Wiederaufbau des Turmes war zunächst 1865 Arnold Güldenpfennig seitens des Bischofs Johann Georg Müller beauftragt worden, doch kam es nicht zu dem Baubeginn. Bei einem Wettbewerb im Jahre 1870 ging zunächst das Projekt von August Rincklake als Sieger hervor. Sein Projekt wie auch diejenigen seiner Konkurrenten hatten sich um die Erhaltung der gewohnten historischen Ansicht bemüht und waren nur in der Frage des oberen Turmabschlusses voneinander abgewichen. 1871 wurde schon mit Hinblick auf einen Turmneubau ein Umbau des Kirchendaches in Angriff genommen. 1887 wurde dann der alte Turm vollständig niedergelegt und ab 1888 der Bau eines neugotischen Turms nach einem Entwurf des Diözesanbaumeisters Hilger Hertel begonnen, der sich ganz bewusst von dem historischen Turm unterscheiden sollte. Bis zu dessen Tod im Jahre 1890 (eine vollplastische Figur Hertels befindet sich als Konsolfigur im Innern des Turmbaus, gleichsam die ganze Last des Kirchturms tragend) erreichte der Turm Kirchenhöhe. Von 1895 bis 1898 vollendete sein Sohn Bernhard Hertel den Turmbau. Der 90,5 Meter hohe Turm mit durchbrochenem Maßwerkhelm gilt als eine verkleinerte Kopie des Turms des Freiburger Münsters, doch lassen sich auch Beziehungen zu den 1880 vollendeten Kölner Domtürmen feststellen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden ein Pfeiler des Turmoktogons, das Kirchendach und die Gewölbe der Ostpartien zerstört. Die Glocken waren im Juni 1942 abgebaut worden. Nach Sicherung der Kirche durch ein Notdach 1946 wurden die Kriegsschäden bis 1959 beseitigt. Der Wiederaufbau der Kirche durch Hans Ostermann erfolgte rekonstruierend, nur die neugotische Sakristei wurde in modernen Formen errichtet. Anstelle des stark gegliederten neugotischen Kirchendachs wurde das mittelalterliche Hochdach rekonstruiert.

Mit dem Beginn des Kirchenjahres (1. Advent) wurden am 2. Dezember 2007 die Pfarrgemeinden St. Lamberti, St. Ludgeri und Aegidii sowie St. Martini zur neuen Pfarrgemeinde St. Lamberti zusammengelegt. Amtierender Pfarrer ist der promovierte Moraltheologe Ludger Winner.

Predigten von Galens

Von 1929 bis 1933 war Clemens August Graf von Galen, der spätere Bischof von Münster und Kardinal, Pfarrer der Gemeinde von St. Lamberti. Als Bischof hielt er 1941 zwei seiner drei Predigten gegen die Aktion T4 des NS-Regimes in der Lambertikirche.

Täuferkörbe

Historische Ereignisse

Nach ihrer Verurteilung am 16. Januar 1536 erfolgte zu Füßen der Lambertikirche am 22. Januar des Jahres die öffentliche Marterung und Hinrichtung der drei verbliebenen Anführer des Täuferreichs von Münster. Die Leichen wurden am Turm der Kirche in drei eisernen Körben aufgehängt, „daß sie allen unruhigen Geistern zur Warnung und zum Schrecken dienten, dass sie nicht etwas Ähnliches in Zukunft versuchten oder wagten“. Im oberen der im Dreieck angebrachten Körbe befand sich der Leichnam von Jan van Leiden, im linken der von Bernd Knipperdolling und im rechten der von Bernd Krechting.

Die Körbe fertigte der Schmied Bertolt von Lüdinghausen in Dortmund im Jahr 1535 an. Ursprünglich sollten sie wohl zum Transport von Gefangenen dienen. Die Dominikaner in Dortmund berichten über den Korb, der für Jan van Leiden hergestellt wurde, dass dieser „4 Wag Eisen minus 13 talente“ wog, ungefähr 240 kg. Die drei Körbe haben unterschiedliche Maße, so an den Vorderseiten 187 × 78 cm, 187 × 76 cm und 179 × 79 cm.

19. und 20. Jahrhundert

Nachdem der alte Kirchturm baufällig geworden war, wurden die Körbe am 3. Dezember 1881 abgenommen. Sie standen während der Bauphase des neuen Turms zeitweise in der Dominikanerkirche in der Salzstraße, wo sie fotografiert und von Otto Modersohn gezeichnet wurden. Nach Fertigstellung des neuen Kirchturmes wurden die Körbe am 22. September 1898 wieder an der Südseite angebracht. 1927 wurden die Körbe einer Restauration unterzogen.

Der Turm der Lambertikirche erhielt am 18. November 1944 einen Bombentreffer, bei dem einer der acht Pfeiler zerstört wurde, die das Oktagon tragen. Er riss zwei der drei Körbe mit in die Tiefe, nur der rechte Korb blieb hängen. Alle drei Körbe waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Am 20. Juli 1945 wurde der noch verbliebene Korb heruntergelassen und die anderen beiden geborgen und mit der Restauration begonnen. Seitdem fehlt der Krabbenschmuck auf den Bügeln der Körbe und die Hängung entspricht nicht mehr der ursprünglichen Aufreihung.

Nachbildungen

Im Jahr 1888 wurden Nachbildungen der drei Körbe gefertigt, die der Münsteraner Zoologieprofessor Hermann Landois für seine pseudo-historische Sammlung in der Tuckesburg im alten Zoo erwarb. 1982 fanden diese Kopien Verwendung bei einer Ausstellung Das Gottesreich fliegt – der Kunstverein tanzt im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, wofür sie der Künstler Stephan Huber um weiße Segelflugzeugflügel ergänzte. Heute befinden sie sich im Stadtmuseum Münster.

Kunstinstallation

In den Körben leuchten in den Abendstunden die im Rahmen der Skulptur.Projekte 1987 dort von Lothar Baumgarten angebrachten Drei Irrlichter, als „Erscheinung von drei Seelen oder inneren Feuern, die keine Ruhe finden können“.

Innenausstattung

Am Nordpfeiler der Orgelempore befindet sich die hölzerne Plastik Christus am Kreuz, betrauert von Maria und Johannes, die Franz Brabender, einem Sohn von Heinrich Brabender, zugeschrieben wird.

Orgeln

In der St.-Lamberti-Kirche befinden sich zwei Orgeln: die große Hauptorgel im Westen, und eine kleine fahrbare Chororgel.

Geschichte

Die Stadt- und Marktkirche St. Lamberti kann auf eine lebhafte Orgelgeschichte zurückblicken. Das früheste Instrument lässt sich für das Jahr 1386 nachweisen. Im 16. Jahrhundert lassen sich der Bau einer Orgel im Jahr 1538, und ein weiterer (Neu-)Bau eines Instruments nachweisen, das wohl um 1580 bzw. 1590 fertiggestellt wurde. Dieses Instrument mit 25 Registern auf drei Manualen und Pedal fand später in der katholischen Kirche Alstätte im Kreis Ahaus Aufstellung.

1821 übernahm die Pfarre die Orgel der säkularisierten Minoritenkirche, die 1784 von Melchior Vorenweg (1753–1844) aus Menden erbaut worden war. Dieses Instrument wurde zunächst 1867 durch den Orgelbauer Bengesdorf (Albersloh) umgebaut.

Nach dem Neubau des Turms wurde das Instrument durch Friedrich Fleiter (Münster) bis 1892 grundlegend umgestaltet, in einem neugotischen Gehäuse untergebracht und mit einer pneumatischen Registersteuerung ausgestattet. Im Jahre 1908 erweiterte Fleiter die Disposition auf 50 Register und stattete das Instrument mit elektrischen Trakturen aus.

Nach Zerstörung dieses Instruments im Jahre 1944 lieferte Rudolf Reuter einen Dispositionsentwurf für eine neue Orgel auf der nördlichen Seitenempore von St. Lamberti. Diesen Entwurf realisierte Franz Breil (Dorsten) 1949 allerdings nur teilweise.

Angesichts der (nachkriegsbedingt) schlechten Materialausführung und mit Blick darauf, dass sich der Standort der Orgel in akustischer Hinsicht als ungünstig erwiesen hatte, verzichtete man auf eine Vollendung des Entwurfs von Reuter und gab 1987 den Bau einer neuen Orgel bei der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke in Auftrag. 1987 stellte die Orgelbaufirma Schuke zunächst eine kleine Interims-Orgel in St. Lamberti auf. Das Schleifladen-Instrument hat zehn Register auf zwei Manualen und Pedal und wurde mit Fertigstellung der neuen Hauptorgel an die Nicolai-Gemeinde in Roxel verkauft.

Hauptorgel

Die neue Hauptorgel wurde nach einem Dispositionsentwurf von Ludwig Doerr (Freiburg) erbaut und 1989 fertiggestellt.

Das Instrument „schwebt“ im Turmraum der Kirche und ist an einer Brückenkonstruktion befestigt: Zwischen den Pfeilern des Turmbauwerks wurden seitlich (Ost-West-Verbindung) zwei waagerechte Tragebalken eingefügt, von denen jeweils eine Stahlbrücke in den Turmraum führt, an denen das Orgelgehäuse angebracht ist. Vorbild für diese Konstruktion war das Tragwerk der großen Orgel in der Lübecker Jakobikirche. Durch diese Aufhängung im Turmraum kann sich der Klang auch in den Seitenschiffen der Kirche frei entfalten.

2006 wurde das Instrument generalüberholt und erweitert. Das Hauptwerk erhielt einen Tremulanten, das Pedal wurde um eine Kontraposaune 32′ (Extension der Posaune 16′) erweitert. Im Schwellwerk (III. Manual) wurden zwei weitere Register (Bordun 8′ und Vox Humana 8′ mit eigenem Tremulanten) aufgestellt, die vom IV. Manual (Trompeteria) aus anspielbar sind. Außerdem wurden Sub- und Superoktavkoppeln eingerichtet. 2008 wurde im Treppenaufgang zwischen Sakramentskapelle und Hochchor ein Glockenspiel mit 30 Röhrenglocken (d0–g2) installiert. Es wurde von der Hauptorgel über Funkverbindung angesteuert, die durch eine Festverkabelung ersetzt wurde, da der Mobilfunkverkehr die Funktion beeinträchtigte.

Das Instrument verfügt über 55 Register (Schleifladen) auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur und Koppeln sind elektrisch.

  • Koppeln
    • Normalkoppeln: I/II, III/II, IV/II, III/I; I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppeln: I/I, III/III (durchkoppelnd), III/II
    • Superoktavkoppeln: III/III (durchkoppelnd), IV/IV, III/II; I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Glockenspiel: Glocken/I, Glocken/II, Glocken/III, Glocken/IV, Glocken/P, Glocken Superoktavkoppel (durchkoppelnd)
  • Spielhilfen
    • Zimbelstern
    • 4000 Setzerkombinationen

Chororgel

Die Chororgel wurde 2004 von Johannes Rohlf (Neubulach) erbaut. Sie steht auf einem fahrbaren Podest. Das Instrument ist im klassischen italienischen Stil disponiert. Das Gehäuse orientiert sich an Konstruktionszeichnungen mittelalterlicher Orgeln. Alle Register sind bei c1/cis1 geteilt. Die Orgel hat ein angehängtes Pedal (C-d1).

Die Chororgel hat folgende Disposition:

Glocken

Das Geläut in der Glockenstube ist achtstimmig. Darunter bilden vier Glocken des 15. und 17. Jahrhunderts den historischen Bestand: zwei Kirchenglocken von Gerhardus de Wou, eine von seinem Schüler Wolter Westerhues und die Große Katharinenglocke von Henricus Caesem.

Wegen starker Belastung des vierstimmigen Altbestandes und um die verlorengegangenen Glocken zu ersetzen, ist das Geläut um vier Glocken erweitert worden. Diese wurden am 5. September 2008 durch Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. Am 5. Dezember erfolgte ein Neuguss der Glocke 4, da sie einen halben Ton zu tief (e1) aus dem Guss kam. Mit Glocke 4 wurde die Klanglücke zwischen den Glocken 3 und 5 gefüllt, mit den Glocken 6 bis 8 wurde eine neue Klangkrone geschaffen. Die vier tiefen Glocken bilden durch den Halbton zwischen den beiden tontiefsten Glocken einen Tetrachord im phrygischen Modus, eine eher seltene Klangkombination. Der alte Stahlglockenstuhl wurde entfernt und durch eine Holzkonstruktion ersetzt. Am 1. März 2009 wurden die neuen Glocken durch den Weihbischof und Diözesanadministrator Franz-Josef Overbeck geweiht. Am 29. März 2009 – zur Einführung des neuen Bischofs Felix Genn – waren erstmals alle acht Glocken gemeinsam zu hören.

Oberhalb der Glockenstube, im Turmhelm, befindet sich die städtische Brandglocke (Herman von Essen). Es handelt sich dabei um eine kesselförmige Alarmglocke. Ihr Schlagton ist unklar. Die Kirchenglocke gehört nicht zum Geläut. Sie ist nicht läutbar, sondern kann nur angeschlagen werden.

Bestand

Läuteordnung

Eine vorläufige Läuteordnung besteht aus dem Vollgeläut an Hochfesten, einem Sechsergeläut für die Sonntagsmessen und aus dem Geläut der drei kleinsten Glocken für die Werktage. Ferner dient die große Lambertusglocke als Totenglocke, weshalb sie auch zu den Gottesdiensten an Allerseelen zu hören ist. Für das Angelusläuten wird die neue Marienglocke Maria Droste zu Vischering verwendet. Der Uhrschlag erfolgt über die Glocken 3 (Viertelstunden) und 2 (volle Stunden).

Türmer

Die Lambertikirche in Münster zählt zu den wenigen Kirchen in Deutschland mit einem Türmer. Das Amt eines Türmers in St. Lamberti wird erstmals im Jahre 1383 urkundlich erwähnt. Seine Aufgabe war es, die Stadtbewohner vor Gefahren, etwa Bränden, zu warnen. Heute ist es eine von der Stadt Münster eingerichtete Amtsstelle. Seit dem 1. Januar 2014 ist mit Martje Saljé erstmals eine Frau als Türmerin tätig. Sie bläst abends (außer Dienstags) in der Zeit von 21:00 bis 24:00 Uhr auf einem Kupferhorn die vollen und halben Stunden. Das Tuten erklingt jeweils im Anschluss an den Schlag der Glocken, zunächst auf der Süd-, dann der West- und schließlich der Nordseite des Turms. Ihr Arbeitsplatz, die Türmerstube, befindet sich oberhalb der Glockenebene.

Trivia

Die Heiligenfiguren der vier Evangelisten (1911) in den Gewänden des stets verschlossenen Westportals zeigen den Johannes in der Gestalt von Friedrich Schiller (links) und den Evangelisten Lukas im Aussehen Johann Wolfgang von Goethes (rechts). Der Geheime Rat besuchte Münster im Jahr 1792.

Der Fernsehkrimi Wilsberg: Die Wiedertäufer (2007) spielt u.a. auf der Lambertikirche

Literatur

  • Hans J. Böker: Die Marktpfarrkirche St. Lamberti zu Münster. Die Bau- und Restaurierungsgeschichte einer spätgotischen Stadtkirche. In: Denkmalpflege und Forschung in Westfalen. Bd. 18, Bonn 1989.

Weblinks

  • Internetpräsenz von St. Lamberti
  • Sankt Lamberti im Portal www.baukunst-nrw.de

Einzelnachweise


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