Willibrordi-Dom

Feldmark, Wesel

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Der Willibrordi-Dom in Wesel wurde von 1498 bis 1540 als spätgotische Basilika mit fünf Kirchenschiffen erbaut. Der 1478 errichtete Turm wurde aus dem dreischiffigen gotischen Vorgängerbau von 1424–1480 übernommen. Der Willibrordi-Dom ist Wesels Stadtkirche, in der die Evangelische Gemeinde Gottesdienste feiert. An den Samstagen vor Ostern (Passionszeit) und Weihnachten (Adventszeit) und zu besonderen Anlässen finden ökumenische Gottesdienste statt. Den äußeren Rahmen bildet der Dom bei herausragenden Veranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Gründung einer Städtepartnerschaft.

Kategorie des Ortes
Kirche
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Feldmark, Wesel


Beschreibung

Der Willibrordi-Dom in Wesel wurde von 1498 bis 1540 als spätgotische Basilika mit fünf Kirchenschiffen erbaut. Der 1478 errichtete Turm wurde aus dem dreischiffigen gotischen Vorgängerbau von 1424–1480 übernommen.

Der Willibrordi-Dom ist Wesels Stadtkirche, in der die Evangelische Gemeinde Gottesdienste feiert. An den Samstagen vor Ostern (Passionszeit) und Weihnachten (Adventszeit) und zu besonderen Anlässen finden ökumenische Gottesdienste statt. Den äußeren Rahmen bildet der Dom bei herausragenden Veranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Gründung einer Städtepartnerschaft. Orgelkonzerte und Konzerte mit geistlicher Musik unter Beteiligung der kirchenmusikalischen Gruppen am Dom, der Domkantorei und dem Bläserchor werden regelmäßig im Rahmen der Weseler Domkonzerte veranstaltet. Darüber hinaus findet eine Vielzahl weiterer kultureller Veranstaltungen im Dom statt.

Sehenswürdigkeiten

Der Willibrordi-Dom gilt als herausragendes Beispiel der ausklingenden Gotik in Norddeutschland. Seine Sehenswürdigkeiten sind:

  • die Heresbach-Kapelle, abgetrennt durch schmiedeeiserne Gitter. In ihr wurde Konrad Heresbach zusammen mit seiner Frau beerdigt. Ein Grabstein in der Wand erinnert daran.
  • die untergehängten Ziergewölbe in dieser und einer weiteren Seitenkapelle, der Alyschläger-Kapelle. Sie gelten als Höhepunkte spätgotischer Steinmetzarbeit
  • das große Westfenster in der Turmhalle aus dem Jahre 1968, von Vincenz Pieper entworfen
  • die Orgel aus dem Jahre 2000 mit 56 Registern, erbaut von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn nach einem Entwurf des Bonner Architekten Ralph Schweitzer
  • der „Weseler Altar“ (1996), ein modernes Kunstwerk vom Stuttgarter Ben Willikens
  • das Standbild des Großen Kurfürsten von dem Berliner Bildhauer Karl Dorn am Kreuzschiffsgiebel über dem nördlichen Querhausportal
  • als Pendant das Standbild des Kaisers Wilhelm I. von Bildhauer Friedrich Johannes Pfannschmidt über dem südlichen Querhausportal
  • bemerkenswert ist auch das rekonstruierte Brautportal, das nach Entwürfen von G. von Langenberg ursprünglich 1529 bis 1530 entstanden ist und in seinem ursprünglichen spätmittelalterlichen Stil wiedererrichtet wurde.
  • der nördliche Kreuzschiffsgiebel mit seinem phantasievollen Maßwerk, dessen Kielbogenfiguration auf das Xantener Südportal des Johann von Langenberg zurückgeht.

Baugeschichte

In der Zeit von 781 bis 800 stand an dieser Stelle eine Fachwerkkirche. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahre mehrfach erneuert und vergrößert. In frühester Zeit unterstand der Dom dem Kloster Echternach, der Grabstätte des Friesenmissionars Willibrord. Als Hansestadt und Hauptort des Herzogtums Kleve konnte die Stadt sich Ostern 1540 der Reformation anschließen. Sie wurde in der Folgezeit durch Einfluss der Glaubensflüchtlinge ein Zentrum reformierten Kirchentums. Diese Entwicklung spiegelt sich noch heute in der schlichten Gestaltung des Gottesdienstraumes wider. Bis 1612 standen hier noch über 30 Altäre. Von 1883 bis 1896 wurde der Willibrordi-Dom, vor allem aus Mitteln der vom Kaiser genehmigten Lotterien, unter Leitung des Regierungsbaumeisters Paul Lehmgrübner dem Zeitgeist entsprechend neugotisch renoviert. Dabei wurde auch der bereits im Mittelalter geplante Chorumgang ausgeführt. Die circa 50 vorhandenen Grabsteine, die im Fußboden verlegt waren, wurden seinerzeit an den Wänden angebracht. Bis 1805 wurde der Kirchenraum auch als Begräbnisplatz der Stadt genutzt.

Durch alliierte Bombenangriffe und Granatbeschuss gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit der Stadt Wesel auch der Willibrordi-Dom erheblich beschädigt. Der Wiederaufbau ab 1948 durch den Willibrordi-Dombauverein Wesel, einer Bürgerinitiative, geschah im Auftrag der Evangelischen Kirchengemeinde in Anlehnung an die spätmittelalterliche Ausführung. Die neugotische Überarbeitung des 19. Jahrhunderts wurde mit Ausnahme des Chorumgangs weitgehend abgetragen. Mit Errichtung des Chorreiters 1994, von dem heute vier Mal täglich ein Glockenspiel erklingt, wurde der Wiederaufbau abgeschlossen.

Zeittafel

  • 781–800 Holz-Fachwerkkirche (4,50 m × 10,0 m) mit westlicher Vorhalle
  • 1000–1050 einschiffiger Bau aus Bruchsteinen (7,00 m × 15,00 m) mit Apsis
  • 1150–1181 dreischiffiger romanischer Neubau mit quadratischem Chor und Apsis, Nebenchören und Westturm
  • um 1250 Erweiterung des Chorraums nach Osten
  • 1424–1480 Umbau und Ausbau zur dreischiffigen gotischen Basilika (zeitgleich mit dem Bau der Mathenakirche von 1429–1508)
  • 1478 Fertigstellung des neuen und Abbruch des alten Turms der Vorgängerkirche
  • 1498–1540 Ausbau zur fünfschiffigen spätgotischen Basilika, dem heutigen Kirchengebäude. Der Turm wird aus dem Vorgängerbau übernommen. Geplant, aber nicht ausgeführt zum Zeitpunkt der Reformation ist der im Fundament angelegte Chorumgang mit Kapellenkranz, die Wölbungen des Mittelschiffs, des Hohen Chors und der Querhäuser. Im Inneren ähnlich dem Xantener Dom: Hochaltar, an jeder Säule ein Altar, insgesamt 30 Stück, Gemälde und reiche Ausmalung.
  • 1557 Fertigstellung des Lettners
  • 1594 Zerstörung des Turms durch Blitzeinschlag, in der Folge auch der Gewölbe des südlichen äußeren Seitenschiffes und des Lettners
  • 1598 Turm-Notdach mit offener Laterne
  • Bis 1612 Verkauf von Altargeräten, Bildern und der Altäre selbst. Fortschreitender Verfall.
  • 1874 Schließung des Doms wegen Baufälligkeit
  • 1883–1896 Restaurierung, allerdings nicht historisch, sondern neugotisch dem Zeitgeist entsprechend
  • 1945 Schwere Beschädigung im Februar/März durch Bomben- und Granateinschläge
  • 1947 Gründung des „Willibrordi-Dombauverein Wesel e. V.“ und Beschluss: Der Wiederaufbau soll im Rückgriff auf die spätmittelalterliche Ausführung mit Ausnahme des geplanten und seinerzeit nicht ausgeführten Chorumgangs erfolgen.
  • 1952 Fertigstellung der Notkirche im Hohen Chor
  • 1955–1957 Ausgrabungen in der Vierung und dem Chorraum
  • 1959 Erneuerung des östlichen Teils einschließlich des Querhauses
  • 1963 Fertigstellung des Langhauses, Aufbau der Nachkriegsorgel
  • 1968 Fertigstellung der Turmhalle und der restlichen Seitenschiffe
  • 1978 Aufbringung des neuen Turmhelms nach genau 500 Jahren
  • 1984 Mit der Wölbung der beiden letzten südwestlichen Seitenkapellen kann der gesamte Kirchenraum wieder genutzt werden.
  • 1991 Fertigstellung des Brautportals
  • 1994 Aufbringen des Chorreiters mit Glockenspiel
  • 2000 Neue Orgel mit 56 Registern

Orgel

Sauer (1895)

Wilhelm Sauer erbaute 1895 eine dreimanualige Orgel in einem Gehäuse von 1645. Die Windladen des I. und II.Manuals und das Pedal waren als pneumatische Kegelladen; die Windlade des Manual III war als mechanische Schleiflade ausgeführt. Karl Straube war hier seit 1894 Organist. Auf der Sauer-Orgel führte er unter anderem Max Regers op 27, 29, 30, 40 Nr. 1, 46 und 52 Nr. 1 erstmals auf. Das infolge der Bombardierungen 1945 zerstörte Instrument hatte folgende Disposition:

Marcussen & Søn (2001)

Die große Orgel im Chorraum wurde in den Jahren 2000–2001 von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn (Aabenraa) errichtet. Teilweise wurden Register aus der Vorgängerorgel übernommen. Die Orgel hat 56 Register (4675 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen und Koppeln sind elektrisch. Es existieren zwei austauschbare Pedalklaviaturen (radial, parallel).

  • Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P
  • Koppeln: Zimbelstern (6 Glöckchen), 4x20x64-fache Setzeranlage, Sequenzer, Diskettenlaufwerk, programmierbares Generalcrescendo

Technische Angaben

Raummaße (aufgelistet von Ost nach West)

  • Chorumgang = 6 m breit
  • Chorraum = 20 m × 10 m
  • Vierung = 10 m × 10 m
  • Hauptschiff = 18 m × 10 m
  • Turmhalle = 10 m × 10 m

Höhenangaben

  • Raumhöhe über dem Hauptschiff = 25 m, über den Seitenschiffen = 10 m
  • Fußbodenhöhe Kirchenraum = 24,5 m ü. NN
  • Turmgalerie = 68,0 m ü. NN
  • Turmknopf = 113,91 m ü. NN

Glocken

Im Turm befinden sich vier Glocken. Ihre Inschrift lautet gleich bleibend: Kommt denn es ist alles bereit. Luc. 14,17. Alexius Petit goss mich in Gescher. Kr. Coesfeld. 1832.

Zudem befindet sich im südlichen Seitenschiff noch eine barocke Glocke aus dem Jahr 1703. Gegossen wurde sie von Johann Swys in Wesel. Sie trägt ein Doppelwappen, das preußische Wappen und das Weseler Stadtwappen, und an der oberen Kante einen Puttenfries mit Girlanden. Diese Glocke hing im Turm der Mathenakirche; sie wurde 1945 bei der Zerstörung der Kirche schwer beschädigt.


Literatur

  • Wolfgang Deurer: Willibrordi-Dom. Sed de suo resurgit rogo. B.o.s.s. Druck und Medien, Kleve 2005. ISBN 3-933969-51-4

Weblinks

  • Willibrordi-Dom auf der Webseite der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel
  • Willibrordi-Dombauverein e.V.
  • Zeichnungen und Baupläne zum Umbau 1889–1896 von Paul Lehmgrübner im Bestand des Architekturmuseums der TU Berlin

Einzelnachweise

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