Wasserwerk (ehemaliger Plenarsaal)

Gronau, Bonn

Foto hochladen

Das Alte Wasserwerk ist ein Gebäudeensemble in Bonn, dessen Pumpenhaus von 1986 bis 1992 den Plenarsaal des Deutschen Bundestags beheimatete. Es geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück und diente früher der Wasserversorgung der Stadt. Heute enthält es Büro- und Konferenzräume. Es liegt oberhalb des Rheinufers (Stresemannufer) im Ortsteil Gronau mit der Adresse Hermann-Ehlers-Straße 29.

Kategorie des Ortes
Gebäude
Adresse
Gronau, Bonn

Enthalten mit


Beschreibung

Das Alte Wasserwerk ist ein Gebäudeensemble in Bonn, dessen Pumpenhaus von 1986 bis 1992 den Plenarsaal des Deutschen Bundestags beheimatete. Es geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück und diente früher der Wasserversorgung der Stadt. Heute enthält es Büro- und Konferenzräume. Es liegt oberhalb des Rheinufers (Stresemannufer) im Ortsteil Gronau mit der Adresse Hermann-Ehlers-Straße 29.

Geschichte

Das in neugotischen Formen gehaltene Wasserwerk wurde ab 1873 von der Rheinischen Wasserwerksgesellschaft erbaut, um Bonn mit Rhein-Uferfiltrat zu versorgen; die Eröffnung erfolgte am 1. April 1875. Zunächst bestand es aus einem Maschinenhaus, einem Kesselhaus, einem Schornstein, einem Brunnen sowie einem Wohnhaus des Maschinisten. Am 1. April 1900 wurde die Anlage von der Stadt Bonn erworben, die sie um einen zweiten Brunnen, ein Pumpenhaus mit zwei weiteren Kolbenpumpen sowie zwei Verbunddampfmaschinen erweitern ließ. 1912 erfolgte eine Vergrößerung des Kohlenschuppens auf der Pumpstation des Wasserwerks, 1915 wurde die Wohnung geringfügig umgebaut und 1919 die Maschinenmeisterwohnung baulich geändert. 1952 wurde das Grundstück eingefriedet und zwei Pumpenhäuser sowie ein Brunnenhaus gebaut.

Nachdem Bonn seit Anfang der 1950er-Jahre mit Wasser aus der Wahnbachtalsperre versorgt wurde, wurde das Wasserwerk 1958 stillgelegt. Es befand sich nunmehr in direkter Nachbarschaft zu den Bonner Bauten des Deutschen Bundestags im und am Bundeshaus. 1965 erwarb die Bundesrepublik Deutschland die beiden Gebäude; in diesem Zuge wurde ein Großteil der technischen Anlagen demontiert. Das Wasserwerk diente noch bis zum Bau eines Ersatzbetriebsgebäudes 1984/85 der Wasseraufbereitung für Notreserven. Als der Plenarsaal des Parlaments Ende der 1980er-Jahre zur Errichtung eines Neubaus an gleicher Stelle abgerissen wurde, benötigte der Bundestag ein Ausweichquartier. Die Wahl fiel auf das Pumpenhaus des ehemaligen Wasserwerks Gronau zwischen dem Bundeshaus und dem damaligen Abgeordnetenhochhaus Langer Eugen. Es wurde zum Sitzungssaal umgebaut, zwischen ihm und dem Maschinen- und Kesselhaus entstand als Verbindungsgang der sogenannte „Löwengang“; das Richtfest fand am 25. September 1985 statt.

Am 9. September 1986 tagte der Deutsche Bundestag zum ersten Mal im Alten Wasserwerk. In die Zeit der Nutzung des Ersatzgebäudes fielen die historischen Beschlüsse des Parlaments zur deutschen Wiedervereinigung und der Hauptstadtbeschluss. Das Gebäude hat mit 500 m² etwa die halbe Grundfläche des alten und des neuen Plenarsaals, wodurch die Abgeordneten sehr beengt saßen. Einige Teilnehmer berichten, die Sitzungen seien deshalb außergewöhnlich friedlich gewesen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Raumnot durch die zusätzlichen Abgeordneten aus den neuen Bundesländern noch verschärft, weshalb teilweise Klappstühle aufgestellt werden mussten. Im Anschluss an den Umzug des Bundestags nach Berlin übernahm die Stadt Bonn 1999 vom Bund die Nutzungsrechte für die Gebäude und stellte diese dem Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (heute: World Conference Center Bonn (WCCB)) für eine Kongress- und Veranstaltungsnutzung bereit. 2012 erfolgten eine vollständige Sanierung des Innenbereichs und eine vollständige Überarbeitung des Löwengangs, im Jahr darauf schloss sich eine Fassadensanierung an.

Das Areal von Pumpenhaus, Maschinen- und Kesselhaus sowie Wohnhaus des Maschinisten („Ärztehaus“) soll in Zukunft Teil des UN-Campus werden, der aus dem Langen Eugen und Teilen des Bundeshauses besteht. Für diese Erweiterung des UN-Campus wurden die Nutzungsrechte wieder der Bundesrepublik Deutschland übertragen. Seit dem 30. November 2015 stehen die Gebäude nicht mehr für Veranstaltungen des WCCB und auch der weiteren Öffentlichkeit zur Verfügung. Zu diesem Datum übernahm die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Verwaltung der Liegenschaft. Geplant ist, im Plenarsaal die technischen Anlagen und die Bestuhlung zu erneuern sowie Dolmetscherkabinen einzubauen.

Das Alte Wasserwerk steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz und ist Teil des Wegs der Demokratie. Die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bonn erfolgte am 27. Juni 1985.

Ab April 2014 war das Wasserwerk Ausstrahlungsort für die ZDF-Sendung Vier sind das Volk mit Wigald Boning als Moderator und Bernhard Hoëcker, Sebastian Pufpaff, Philip Simon, Susanne Pätzold, Kai Magnus Sting sowie Wolfgang Trepper als Politiker.

Weblinks

  • Eintrag beim Weg der Demokratie
  • Altes Wasserwerk (Memento vom 26. November 2015 im Internet Archive) auf den Seiten des World Conference Centers Bonn
  • Eintrag zu Altes Wasserwerk, zeitweilig Sitz des Deutschen Bundestags, Hermann-Ehlers-Straße 29 in der Datenbank „KuLaDig“ (Kultur.Landschaft.Digital.) des Landschaftsverbands Rheinland (mit Beschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland von Angelika Schyma und Elke Janßen-Schnabel, 2005)

Einzelnachweise

Bitte einloggen

Für diese Aktion müssen Sie sich in Ihrem Konto anmelden

Einloggen