Klosterkirche

Am Klosterhof, Nordshausen, Kassel

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Das Kloster Nordshausen, am Fuße des Brasselsbergs im Kasseler Stadtteil Nordshausen gelegen, wurde von etwa 1257 bis 1527 als Konvent von Zisterzienserinnen genutzt. Die Klosterkirche gilt als älteste erhaltene Kirche im heutigen Kasseler Stadtgebiet. == Mittelalterliche (Bau-)Geschichte == Das Zisterzienserinnen-Kloster Nordshausen wurde erstmals 1257 erwähnt und war vermutlich eine Gründung des Grafen Adalbert von Schauenburg. Im heutigen Kirchenschiff deuten noch erhaltenes Bruchsteinmauerwerk, vermauerte Rundbogenfenster und kleine Strebepfeiler auf einen Vorgängerbau: eine romanische Kapelle wohl aus dem 12. Jahrhundert.

Kategorie des Ortes
Gebäude
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Am Klosterhof, Nordshausen, Kassel

Beschreibung

Das Kloster Nordshausen, am Fuße des Brasselsbergs im Kasseler Stadtteil Nordshausen gelegen, wurde von etwa 1257 bis 1527 als Konvent von Zisterzienserinnen genutzt. Die Klosterkirche gilt als älteste erhaltene Kirche im heutigen Kasseler Stadtgebiet.

Mittelalterliche (Bau-)Geschichte

Das Zisterzienserinnen-Kloster Nordshausen wurde erstmals 1257 erwähnt und war vermutlich eine Gründung des Grafen Adalbert von Schauenburg. Im heutigen Kirchenschiff deuten noch erhaltenes Bruchsteinmauerwerk, vermauerte Rundbogenfenster und kleine Strebepfeiler auf einen Vorgängerbau: eine romanische Kapelle wohl aus dem 12. Jahrhundert. Wahrscheinlich war die romanische Kapelle gewölbt und wurde von Westen her erschlossen. Der frühgotische Turm wurde im Westen an die romanische Kapelle angefügt, noch bevor die Nonnen nach Nordshausen kamen. Detailformen seiner Spitzbogenfenster verweisen auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bis heute zeigt das Mauerwerk des Turms regelmäßige Tuff- und Sandsteinquader. Sollte der Eingang der Kapelle im Westen gelegen haben, verlegte man ihn nun in die Südwand des Kirchenschiffs.

Für die Zisterzienserinnen, die um 1257 nach Nordshausen kamen, erweiterte man das Langhaus in der Frühgotik. Nun mussten die Nonnen und die Gemeinde in der Kirche Platz finden. Noch heute sichtbar, lassen schlanke Spitzbogenfenster auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts schließen. Neue Mauern wurden in Bruchstein, die höheren Strebepfeiler mit Quadern ausgeführt. Im Norden entstanden für die Nonnen wohl erste Klausurgebäude. In der Hochgotik erhöhte man das Langhaus schließlich auch im Westen und zog ein neues Gewölbe ein. Für die Nonnen wurde im Westen eine Empore mit schlanken Spitzbogenfenstern eingefügt. Eine Tür verband die Empore direkt mit der Klausur im Norden, die sich heute in Privatbesitz befindet. Auch vom Chor führte eine Tür nach Norden zum Kreuzgang. In der Spätgotik erhöhte man das Langhaus wohl um 1467 ein zweites Mal und zog das heute noch sichtbare Gewölbe ein. Zugleich wurden die Chor- und Emporenfenster vergrößert. Kurz darauf, um 1500, erhielten der südliche Kircheneingang und einige Klausurbauten eine neue Form.

Sagen um die Klosterkirche

Um das alte Gotteshaus ranken sich bis heute Sagen. Eine handelt von einer Nonne, die als kopfloser Geist in der Kirche nachts ihr Unwesen getrieben haben soll. Das geht aus den Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Philipp Hoffmeister (1804-1874) hervor. In seiner um das Jahr 1858 verfassten ersten Chronik der Klosterkirche wird die Sage der kopflosen Nonne erwähnt. Außerdem wird die Sage um einen Geheimgang, der das damalige Kloster mit dem ehemaligen von Mönchen bewohnten Kloster Weißenstein verbunden haben soll, angeführt. Das Kloster Weißenstein ist heute das Schloss Wilhelmshöhe. Die Sage um den geheimen Gang ist auch heute noch präsent, da es einen zugemauerten Eingang an der ehemaligen Zehntscheune des Klosters (heute ist es das Gemeindehaus) gibt.

Wirkungsgeschichte und heutiger Zustand

Nach der Reformation, die Landgraf Philipp I.in Hessen einführte, löste man das Kloster auf und nutzte die Kirche als evangelische Pfarrkirche. Einige Klausurbauten wurden niedergelegt, andere dienten der Landwirtschaft. Um 1858 erstellte der damalige Nordshäuser Pfarrer Philipp Hoffmeister - der sich zu seiner Zeit als Zeichner, Naturkundler und Märchensammler einen Namen machte - (handschriftlich) die erste Chronik der Klosterkirche. Nach einer von Hoffmeister überlieferten Sage soll in der Adventszeit eine kopflose Nonne an der Klosterkirche geistern. Vor 1910 veränderte man einzelne Fenster und Zugänge des Kirchenbaus, wertete den Turm durch einen Stufengiebel und schließlich durch einen Dachreiter auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Empore verkürzt und der Haupteingang in den Turm verlegt.

Von der einst geschlossenen Klosteranlage sind heute nur noch die Kirche, ein Teil des Westflügels der Klausur, Reste der Klostermauer und die Zehntscheune erhalten. Um den Erhalt der Kirche, der ältesten in Kassel, zu sichern, wurde 2003 die „Kulturstiftung Klosterkirche Nordshausen“ geschaffen, die durch Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen in der Kirche die notwendigen Mittel zu beschaffen versucht. Seit 2004 widmet sich der Förderverein Kultur- und Sozialzentrum Klosterkirche Nordshausen e. V. der Geschichte und Nutzung des mittelalterlichen Bauwerks. In den letzten Jahren wurden für Besucher im Süden der Kirche ein Klostergarten angelegt, 2013 der ehemalige Zugang zum Kreuzgang wieder geöffnet und mit einer Innenrenovierung der Kirche begonnen.

Literatur in Auswahl

  • Karin Berkemann (Hg.): "capellam ..., que dicitur Nordershusen". 750 Jahre Kloster Nordshausen vor Kassel, hg. vom Förderverein Kultur- und Sozialzentrum Klosterkirche Nordshausen e. V., Kassel 2008
  • Karl Hermann Wegner, Nordshausen - ein Dorf in der Stadt, Kassel 1984
  • August Bitter (Bearb.), 900 Jahre Nordshausen. 40 Jahre Stadtteil, hg. von der Arbeitsgemeinschaft Nordshäuser Vereine, Nordshausen 1976
  • Alois Holtmeyer (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, bearb. im Auftrag des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Cassel. Bd. 4. Kreis Cassel-Land, Marburg 1910, S. 113-123, T. 67-77
  • Carl Schäfer: Geschichte und Beschreibung des Klosters Nordshausen, in: Carl Schäfer: Von deutscher Kunst. Gesammelte Aufsätze und nachgelassene Schriften, Berlin 1910, S. 1-7, T. 1
  • Philipp Hoffmeister: Einige Notizen über die Kirche zu Nordshausen, das Kloster und den sogenannten guten Born daselbst, o. O. [Nordshausen] o. J. [um 1858] [Manuskript, überliefert in verschiedenen Fassungen u. a. im Landeskirchlichen Archiv Kassel oder in der Murhardschen Bibliothek Kassel]

Weblinks

  • Klosterkirche Nordshausen im Regiowiki Kassel
  • Kulturstiftung Klosterkirche Nordshausen
  • Virtueller Rundgang zur Baugeschichte der Klosterkirche (nach Forschungen der Universität Heidelberg von 2006).

Einzelnachweise

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