Hesperidengärten

Kleinweidenmühle, Nürnberg

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Die Hesperidengärten sind Gartenanlagen in St. Johannis (Nürnberg) und Bestandteil eines grünen Ringes an Bürgergärten. Die Gärten wurden im 16. bis 18. Jahrhundert um den Stadtgraben in den Vorstädten von Nürnberg angelegt, da die gärtnerisch genutzten Freiflächen in der Altstadt sukzessive bebaut wurden.In den aufwändig gestalteten Gartenanlagen befanden sich wertvolle und exotische Zitronen- und Pomeranzen-Sammlungen.

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Kleinweidenmühle, Nürnberg

Beschreibung

Die Hesperidengärten sind Gartenanlagen in St. Johannis (Nürnberg) und Bestandteil eines grünen Ringes an Bürgergärten. Die Gärten wurden im 16. bis 18. Jahrhundert um den Stadtgraben in den Vorstädten von Nürnberg angelegt, da die gärtnerisch genutzten Freiflächen in der Altstadt sukzessive bebaut wurden.

In den aufwändig gestalteten Gartenanlagen befanden sich wertvolle und exotische Zitronen- und Pomeranzen-Sammlungen. Ihren Namen verdanken die Hesperidengärten der griechischen Mythologie. Danach hatten die Hesperiden, die Töchter des Hesperos oder des Atlas, die Aufgabe, die im gleichnamigen Garten wachsenden goldenen Früchte zu bewachen, die als Eigentum der Götter galten. Herakles gelang es dennoch sie zu rauben.

In St. Johannis wohnten seit der frühen Neuzeit wohlhabende Bürger, die sich einen Hauch von südländischer Kultur in den heimischen Garten holten. In der Barockzeit nahmen sich die dort lebenden reichen Kaufleute die prachtvollen Lustgärten der Adeligen zum Vorbild und ließen kleine barocke Ziergärten anlegen, die mit einer Vielzahl von und Brunnen ausgestattet waren.

Anfang der 1980er Jahre konnten einige dieser Gärten mit der Hilfe des Bürgervereins St. Johannis und dem Gartenbauamt der Stadt Nürnberg wieder hergerichtet werden. Sie sind über die Eingänge Johannisstraße 47 und Riesenschritt 26 (drei heute miteinander verbundene Gärten hinter den Häusern Nr. 43–47) sowie Johannisstraße 13 zu betreten und von April bis Oktober täglich bis 20 Uhr geöffnet. Geschichtsvereine, unter anderem der Verein Geschichte Für Alle – Institut für Regionalgeschichte, sorgen für Führungen durch die Gärten.

Einen anderen Hesperidengarten gibt es in Wenzenbach.

Geschichte

Nürnberg wies bis in das 19. Jahrhundert einen hohen Stand der Gartenkultur auf, dadurch wurde die Entstehung nennenswerter Sammlungen von Zitruspflanzen begünstigt.

Ein grüner Kranz an Bürgergärten entwickelte sich nach dem Ende des Ersten Markgrafenkrieges, 1449 um die heutige Altstadt von Nürnberg. Im Bereich des sogenannten Burgfriedens, eines 800 bis 1300 Meter breiten Pufferstreifens entlang der Nürnberger Stadtmauer, wurde zu Verteidigungszwecken eine vorgezogene Linie aus Palisaden (Landwehr) errichtet. Im Jahr 1632 wurde diese Verteidigungsanlage durch Erdbauwerke verstärkt.

Ein weiterer Faktor für die Blüte der Nürnberger Gartenkultur war der Verkauf von Grundstücken des Deutschherrenordens an die Reichsstadt Nürnberg. Die betreffenden Liegenschaften befanden sich im Westen der Stadt und grenzten unmittelbar an die Stadtmauer. Nachdem die Flächen parzelliert wurden, erfolgte ein Verkauf von Handtuchgrundstücken eines Weinhangs im heutigen Stadtteil St. Johannis an Nürnberger Bürger. Diese Gärten bei St. Johannis stellen den Ausgangspunkt für die heutigen Hesperidengärten dar. An vielen Stellen innerhalb des Gartenrings entwickelten sich 360 Gartenanlagen und formten einen Circulus viridarius. Noch heute zeugen die Namen der Stadtteile - wie Gärten bei Wöhrd und Gärten hinter der Veste - von der einstigen Gartenpracht.

Die Nürnberger Gartenkultur wurde im 16. und 17. Jahrhundert durch Italien maßgeblich beeinflusst, da Nürnberger Kaufmannsfamilien Italien vermehrt bereisten. Noch bis in das 18. Jahrhundert orientierte sich die Nürnberger Gartengestaltung an den italienischen Gärten der Spätrenaissance. Die Kultivierung von Zitrusfrüchten, insbesondere Pomeranzen folgte dem italienischen Vorbild. In 70 Prozent der Gartenanlagen im Burgfrieden wurden Zitruspflanzen kultiviert. Selbst kleinere Gärten wurden teilweise mit ein bis mehreren Dutzend dieser exotischen Pflanzen ausgestattet.

Der Fabrikant und Seidenhändler Johann Volkamer erwarb 1614 in der Gostenhofer Vorstadt einen zunächst kleinen Garten, den Volkamer'schen Garten im Gostenhof. Sein Sohn der Arzt und Naturforscher Johann Georg Volkamer der Ältere gestaltete den Garten weiter und bat den Rat der Stadt Nürnberg um eine Baugenehmigung für ein Pomeranzenhaus, da seine Zitrusbäume zu groß geworden waren. Dessen Sohn Johann Christoph Volkamer sollte den Garten zur Vollendung gestalten. Der Kaufmann und passionierte Botaniker veröffentlichte das bekannte Werk Nürnbergische Hesperides. Der Buchtitel führte zu einer Übertragung der antiken Hesperidensaga auf die Nürnberger Bürgergärten.

Die Nürnberger Zitruskultur wurde auch auf Dachgärten betrieben.

Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgte eine barocke Umgestaltung der Hesperidengärten nach holländischem und italienischem Vorbild.

Siehe auch

  • Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg

Literatur

  • Nehring, Dorothee: Die Hesperidengärten in Nürnbergs Stadtteil St. Johannis. Verlag Universitätsbuchhandlung Korn & Berg, Nürnberg, 1985, ISBN 3-87432-099-5.
  • Theo Friedrich: Vom Hesperidengarten zum Volkspark. Gartenkultur und Stadtgrünpflege vom Mittelalter bis zur Gegenwart in Nürnberg. Verlag Edelmann, Nürnberg 1993, ISBN 3-87191-181-X.
  • Jochen Martz: Zur Entwicklung der Zitruskultur in Nürnbergs Gärten – Von den Anfängen bis in das 19. Jahrhundert. In: Nürnbergische Hesperiden und Orangeriekultur in Franken. Band 7. Verlag Imhof, Petersberg 2011, S. 95 f, ISBN 3-86568-670-2.
  • Heinrich Hamann: Johann Christoph Volkamers "Nürnberge Hesperides". In: Nürnbergische Hesperiden und Orangeriekultur in Franken. Band 7. Verlag Imhof, Petersberg 2011, S. 9 f, ISBN 3-86568-670-2.

Weblinks

  • Nürnberger Sonnenuhrenweg der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft e.V.: Station 3: Hesperidengärten

Einzelnachweise

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